Lehre fertig, was dann?

Zwei Berufsleute, zwei Laufbahnen.

Benjamin Zweifel, Jahrgang 1983, selbständiger Ofenbauer

Benjamin Zweifel stand schon sehr früh auf den eigenen Beinen. Nach gerade mal zwei Jahren Berufspraxis als Ofenbauer gründete der junge Mann seinen eigenen Betrieb. Er hatte die Gelegenheit, das Haus seines Vaters umfassend zu sanieren und danach im ehemaligen Stall die eigene Werkstatt einzurichten. "Die Werkzeuge und Maschinen konnte ich aus Ersparnissen und einem zinslosen Darlehen kaufen. Als Ofenbauer kann man auch mit kleinen Investitionen anfangen, das ist ein grosser Vorteil."

Um das Administrative im Griff zu haben, besuchte Benjamin Zweifel einen Kurs für Firmengründer. Die Höhere Fachprüfung konnte er nicht absolvieren, da er schon damals eine Familie ernähren musste. Der 28-Jährige ist sehr kommunikativ und geht offen auf andere Menschen zu. So kommt er auch zu Kundschaft. "Wenn ich in einem Dorf einen Auftrag ausführe, gehe ich manchmal an den Haustüren klingeln und empfehle mich selbst für weitere Aufträge." An seiner Selbständigkeit schätzt Benjamin Zweifel nicht nur den direkten Kundenkontakt, sondern auch, dass er seine Kreativität ausleben kann. "Als Angestellter habe ich die Arbeit vor allem ausgeführt, nicht aber selber geplant." Der junge Ofenbauer ist heute auf individuelle, "organisch" gestaltete Öfen spezialisiert, also Öfen mit ungewohnt geschwungenen, runden Formen. "Ich mag es, intuitiv zu arbeiten."

 

Marco von Wyl, Jahrgang 1971, Gutachter, Planer und Fachautor

"Ich bin zum Schreibtischtäter geworden", sagt Marco von Wyl und lacht. Er hat eine spannende Laufbahn hinter sich: Nach der beruflichen Grundbildung als Ofenbauer machte Marco von Wyl die höhere Fachprüfung und arbeitete danach rund zwei Jahre in Nordamerika. Zurück in der Schweiz gründete der Hafnermeister eine eigene Ofenbaufirma und unterrichtete nebenbei an der Berufsfachschule. 2004 absolvierte er an der Fachhochschule das Nachdiplomstudium Energie. Ausserdem war er für den Berufsverband tätig, ab 2005 sogar vollzeitlich. Seine Ofenbaufirma gab er auf. "Irgendwann war ich an dem Punkt angelangt, wo ich mich beruflich verändern wollte. Mein Beruf gefiel mir nach wie vor, doch ich wollte auch noch andere Seiten kennen lernen."

Nach fünf Jahren als Projektleiter beim Berufsverband gründete Marco von Wyl zusammen mit seinem Partner, einem Forstingenieur, eine neue Firma. Sie planen grosse und kleine Holzfeuerungen, erstellen Gutachten, organisieren Weiterbildungen und schreiben Lehrmittel. Auch für Minergie, ein Verein, der sich für energieeffizientes Bauen einsetzt, ist die Firma tätig. "Wir arbeiten in einer zukunftsträchtigen Branche, welche traditionelles Handwerk und modernste Technik vereint. Diese Kombination gefällt mir." Zwar nimmt Marco von Wyl heute nur noch selten die Kelle in die Hand, aber er ist und bleibt ein Ofenbauer. "Heute baue ich noch etwa einen Ofen pro Jahr – als Hobby."